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HEILIGE MESSE FÜR DIE VATIKANISCHE GENDARMERIE

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

Vatikanische Basilika, Kathedra-Altarn
Samstag, 26. September 2020

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Die Lesungen dieses Sonntags sprechen von der Umkehr. Die Umkehr des Herzens; Umkehr, was soviel heißt wie »sein Leben ändern«, also dass das Herz, das keinen guten Weg eingeschlagen hat, einen guten Weg findet. Aber es ist nicht nur unsere Umkehr: es ist auch die Umkehr Gottes. »Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat« – wir haben es in der ersten Lesung gehört –, »und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben.

Er wird nicht sterben« (Ez 18,27-28). Der Böse kehrt um. Sagen wir es einfacher: der Sünder kehrt um, und Gott kehrt auch seinerseits zum Sünder um. Die Begegnung mit Gott, die Umkehr, findet auf beiden Seiten statt; beide suchen die Begegnung miteinander. Die Vergebung bedeutet nicht nur, dorthin zu gehen, an die Tür zu klopfen und zu sagen: »Vergib mir«, und aus der Sprechanlage wird dir geantwortet: »Ich vergebe dir. Gehe weg.« Die Vergebung ist immer eine Umarmung Gottes. Aber Gott geht, wie auch wir gehen, damit wir einander begegnen.

Das ist Gottes Vergebung, der Weg der Umkehr. »Aber wie werde ich zu Gott gehen? Ich bin so ein so großer Sünder!« Das ist es, was Gott will: dass du gehst, dass du zu ihm gehst. Was hat der Vater des verlorenen Sohnes getan? – jener, der mit dem Geld wegging und sein Vermögen für Lasterhaftes ausgab – was hat der Vater getan? Als er den Sohn kommen sah – denn der Sohn hatte gespürt, dass er zu seinem Vater zurückgehen musste; er musste aus Not zurückkehren, aber trotzdem hat der Sohn den Schritt getan –, da kam der Vater, der auf der Terrasse war, sofort herunter und ging zu seinem Sohn. Er hat nicht mit erhobenem Finger an der Tür auf ihn gewartet, er hat ihn umarmt!

Und als der Sohn um Verzeihung bat, schloss ihm die Umarmung seinen Mund. Das ist Umkehr. Das ist die Liebe Gottes. Es ist ein Weg der wechselseitigen Begegnung. Und dazu möchte ich betonen: ein Herz, das immer offen ist für die Begegnung mit Gott – das ist die Umkehr, offen sein für die Begegnung mit Gott –, was ist das Vorbild? Das Vorbild ist jenes des Evangeliums, des Reichen, des Armen, das Vorbild ist Jesus Christus. Er ist hinausgegangen, um uns zu begegnen. Wir haben die zweite Lesung gehört: »Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich« – Jesus war Gott –, »hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein« – das heißt dort zu bleiben –, »sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. […] Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz« (Phil 2,5-8). Der Weg zur Umkehr besteht im Näherkommen, es ist die Nähe, aber eine Nähe, die ein Dienen ist.

Und dieses Wort veranlasst mich, mich an euch zu wenden, liebe Brüder Gendarmen. Jedes Mal, wenn ihr euch nähert, um zu dienen, ahmt ihr Jesus Christus nach. Jedes Mal, wenn ihr einen Schritt tut, um Ordnung zu schaffen, dann denkt daran, dass ihr einen Dienst tut, ihr vollzieht eine Umkehr, die Dienen ist. Und durch die Art und Weise, wie ihr es tut, tut ihr den anderen Gutes. Und dafür möchte ich mich bedanken. Euer Dienst ist eine doppelte Umkehr: eure eigene Umkehr – wie die von Jesus Christus –, das Verlassen der Bequemlichkeiten, das Verlassen… »Ich gehe zum Dienst«; und die andere Umkehr, jene des anderen, der sich im ersten Augenblick nicht bestraft, sondern mit der Demut Jesu angehört und wieder auf Vordermann gebracht fühlt. So bittet euch Jesus, so zu sein wie er: stark, diszipliniert, aber demütig und Diener.

Ich habe einmal einen alten Mann über seinen Sohn reden hören, der seine Kinder laut auszuschimpfen pflegte, er sagte: »Mein Sohn hat nicht verstanden, dass er jedes Mal, wenn er seine Kinder ausschimpft, an Autorität verliert.« Eure Autorität liegt im Dienst: Grenzen setzen, Pflichten erfüllen, aber dienend, mit Nächstenliebe, mit Freundlichkeit. Und dies ist eine große Berufung, die ihr habt. Für mich wäre es sehr traurig, wenn jemand zu mir sagen würde: »Nein, Ihr Gendarmeriekorps…, das sind Angestellte, Beamte, die ihre Dienststunden absolvieren und sich nicht weiter interessieren…« Nein, nein. Das ist nicht der Weg, um umzukehren und andere zur Umkehr zu bewegen. Euer Weg ist der des Dienens, wie der Vater, der zu seinem Sohn geht, wie der Bruder, der etwas sieht und sagt: »Nein, das geht nicht, das ist nicht in Ordnung«. Das ist der Weg, aber mit dem Herzen gesagt, mit Demut gesagt, mit Nähe gesagt.

Es heißt in der Bibel, im Evangelium, dass Jesus immer mit den Sündern zusammen war, auch mit den Übeltätern, aber sie fühlten sich Jesus nahe, sie fühlten sich nicht, als sei der Stab über sie gebrochen worden. Aber Jesus hat nie eine Lüge erzählt, eine Unwahrheit gesagt. Nein: »Das ist die Wahrheit, das ist der Weg«. Doch er sagte es mit Freundlichkeit, er sagte es mit dem Herzen, er sagte es als Bruder. Danke für euren Dienst. Danke, denn ich sehe, dass euer Dienst in diese Richtung geht. Manchmal kann jemand ein wenig ausrutschen, aber wer rutscht im Leben nicht aus? Alle! Aber wir stehen wieder auf: »Ich habe nicht gut daran getan, jetzt aber …«. Immer diesen Weg für die Umkehr der Menschen und auch für die eigene Umkehr wieder einschlagen. Beim Dienen liegt man nie falsch, denn Dienen ist Liebe, es ist Nächstenliebe, es ist Nähe. Das Dienen ist der Weg, den Gott in Jesus Christus gewählt hat, um uns zu vergeben und uns umkehren zu lassen.

Ich danke euch für euren Dienst, und weiter so, immer mit dieser demütigen, aber starken Nähe, die Jesus Christus uns gelehrt hat. Danke.



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