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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DER INTERNATIONALEN VERSAMMLUNG
DER APOSTOLISCHEN UNION DES KLERUS

Konsistoriensaal
Donnerstag, 16. November 2017

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Liebe Priester, liebe Brüder und Schwestern!

»Seht doch, wie gut und schön es ist, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen!« (Ps 133,1). Diese Psalmverse passen sehr schön zu den Worten von Msgr. Magrin, der mit Leidenschaft Präsident der Internationalen Konföderation der Apostolischen Union des Klerus ist. Es ist wirklich eine Freude, sich zu treffen und die Brüderlichkeit zu spüren, die unter uns entsteht, die wir nach dem Vorbild Christi, des Guten Hirten, zum Dienst am Evangelium berufen sind. Einen jeden von euch begrüße ich herzlich und schließe in meinen Gruß auch die Vertreter der Apostolischen Union der Laien ein.

Beim derzeitigen Treffen denkt ihr über den »in, für und mit der Diözesangemeinschaft« geweihten Priester nach. In Übereinstimmung mit den vorhergehenden Treffen wollt ihr die Rolle der Hirten in der Ortskirche in den Mittelpunkt stellen, und der hermeneutische Schlüssel für diese Neubetrachtung ist die diözesane Spiritualität, die eine Spiritualität der Gemeinschaft in der Weise der Gemeinschaft der Dreifaltigkeit ist. Msgr. Magrin hat dieses Wort betont: »Diözesanität «, das ist ein Schlüsselwort. Denn das Geheimnis der trinitarischen Gemeinschaft ist das erhabene Bezugsmodell der kirchlichen Gemeinschaft. Der heilige Johannes Paul II. hat in seinem Apostolischen Schreiben Novo millenio ineunte gesagt, dass »die große Herausforderung, die in dem beginnenden Jahrtausend vor uns steht«, genau darin liegt: »die Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft zu machen« (Nr. 43).

Das bedeutet zuallererst, »eine Spiritualität der Gemeinschaft zu fördern, indem man sie überall dort als Erziehungsprinzip herausstellt, wo man den Menschen und Christen formt« (ebd.). Und heute brauchen wir Gemeinschaft sehr dringend, in der Kirche und in der Welt. Experte in der Spiritualität der Gemeinschaft wird man vor allem durch die Bekehrung zu Christus, durch die gelehrige Offenheit für das Wirken seines Geistes und durch die Annahme der Brüder und Schwestern. Wie wir wissen, hängt die Fruchtbarkeit des Apostolats nicht nur von der Aktivität und den organisatorischen Bemühungen ab, so notwendig sie auch sind, sondern in erster Linie vom Wirken Gottes. Heute wie eh und je sind die Heiligen die wirksamsten Verkünder des Evangeliums, und alle Getauften sind berufen, nach dem hohen Maßstab des christlichen Leben, das heißt nach Heiligkeit zu streben. Und das gilt umso mehr für die geweihten Amtsträger.

Ich denke an die Weltlichkeit, an die Versuchung der geistlichen Weltlichkeit, die sich so oft hinter der Rigidität verbirgt: eine bringt die andere mit sich, sie sind »Stiefschwestern«, eine bringt die andere mit sich. Der Welttag des Gebets für die Heiligung des Klerus, der jährlich am Fest des Heiligsten Herzens Jesu begangen wird, ist ein günstiger Anlass, um vom Herrn die Gabe eifriger und heiliger Diener für seine Kirche zu erlangen. Um dieses Ideal der Heiligkeit zu verwirklichen, ist jeder geweihte Amtsträger aufgerufen, dem Beispiel des Guten Hirten zu folgen, der sein Leben für die Schafe hingibt. Und woraus soll man diese pastorale Liebe schöpfen, wenn nicht aus dem Herzen Christi? In ihm hat der himmlische Vater uns mit unendlichen Schätzen der Barmherzigkeit, der Zärtlichkeit und Liebe überschüttet: hier können wir immer die geistliche Energie finden, die unerlässlich ist, um seine Liebe und seine Freude in die Welt auszustrahlen. Und zu Christus führt uns Tag für Tag auch die kindliche Beziehung zu unserer Mutter, der allerseligsten Jungfrau Maria, besonders in der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse.

Eng verbunden mit dem Weg der Spiritualität ist der pastorale Einsatz im Dienst am Volk Gottes, sichtbar im Heute und in der Konkretheit der Ortskirche: Die Hirten sind gerufen, »kluge und treue Diener« zu sein, die den Herrn nachahmen, indem sie sich die Schürze des Dienens umbinden und sich über die Lebenswirklichkeit ihrer Gemeinschaften beugen, um die Geschichte der ihnen anvertrauten Herde zu verstehen und ihre Freuden und Leiden, ihre Erwartungen und Hoffnungen mit ihnen zu leben. Das Zweite Vatikanische Konzil hat aus diesem Grund gelehrt, dass die »Priester auf ihnen eigene Weise zur Heiligkeit gelangen, nämlich durch aufrichtige und unermüdliche Ausübung ihrer Ämter im Geist Christi« (Dekret Presbyterorum ordinis, 13). »Gerade die täglichen heiligen Handlungen wie ihr gesamter Dienst […] lenken sie auf ein vollkommenes Leben hin« (ebd., 12).

Ihr unterstreicht zu Recht, dass die geweihten Amtsträger sich den richtigen pastoralen Stil auch zu eigen machen, indem sie die brüderlichen Beziehungen pflegen und am pastoralen Weg ihrer Diözesankirche teilnehmen, an ihren Veranstaltungen, Projekten und Initiativen, die die programmatischen Linien in die Praxis umsetzen. Eine Ortskirche hat ein Gesicht, konkrete Rhythmen und Entscheidungen. Man muss ihr tagtäglich mit Hingabe dienen, indem man die Übereinstimmung und Einheit bezeugt, die mit dem Bischof gelebt und entwickelt wird. Der pastorale Weg der Ortsgemeinde hat als unerlässlichen Bezugspunkt den Pastoralplan der Diözese, der den Programmen der Vereinigungen, Bewegungen und sonstiger besonderer Gruppen vorgezogen werden muss. Und diese pastorale Einheit aller um den Bischof wird die Einheit in der Kirche bewirken.

Es ist sehr traurig, wenn man bei einem Priester sieht, dass diese Einheit nicht existiert, dass sie nur Schein ist. Und da herrscht dann das Geschwätz, das Geschwätz zerstört die Diözese, es zerstört die Einheit der Priester untereinander und mit dem Bischof. Liebe priesterliche Mitbrüder, ich bitte euch: Wir sehen immer, immer das Schlechte bei den anderen, denn dieses Auge bekommt nie grauen Star. Die Augen sind bereit, das Schlechte zu sehen, aber ich bitte euch, nicht bis zum Geschwätz zu gehen. Wenn ich etwas Schlimmes sehe, dann bete ich oder spreche ich als Bruder. Ich werde kein »Terrorist«, denn das Geschwätz ist Terrorismus. Geschwätz bedeutet quasi eine Bombe zu werfen: Ich zerstöre den anderen und gehe in aller Ruhe weg. Bitte, kein Geschwätz, es ist wie eine Motte, die das Gewebe der Kirche, der Diözesankirche, der Einheit unter uns zerfrisst.

Die Hingabe an die Teilkirche muss schließlich immer mit einem Weitblick zum Ausdruck kommen, der Aufmerksamkeit für das Leben der ganzen Kirche ist. Gemeinschaft und Mission sind aufeinander bezogene Dynamiken. Man wird zum Priester geweiht, um der eigenen Teilkirche zu dienen – in Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist und dem eigenen Bischof und in Zusammenarbeit mit den anderen Priestern der Diözese, aber im Bewusstsein, Teil der universalen Kirche zu sein, die die Grenzen der eigenen Diözese und des eigenen Landes übersteigt. Wie das Missionarisch-Sein ein Wesensmerkmal der Kirche ist, so ist es das vor allem für den, der als Geweihter berufen ist, das Dienstamt in einer ihrem Wesen nach missionarischen Gemeinschaft zu leben und Erzieher zur »Mondialität« zu sein – nicht zur Mondanität, zur Mondialität! Denn die Mission ist keine individuelle Entscheidung aus persönlicher Großherzigkeit oder vielleicht wegen pastoraler Enttäuschungen, sondern sie ist eine Entscheidung der Teilkirche, die Protagonistin wird bei der Weitergabe des Evangeliums an alle Völker.

Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, ich bete für einen jeden von euch und für euren Dienst sowie für den Dienst der Apostolischen Union des Klerus. Und ich bete auch für euch, liebe Brüder und Schwestern. Mein Segen begleite euch. Und bitte: Vergesst auch ihr nicht, für mich zu beten, auch ich brauche das Gebet! Danke!

 



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