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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Gründen wir unser Leben auf den Herrn und nicht auf den Schein

Donnerstag, 5. Dezember 2019

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(aus "L´Osservatore Romano", Wochenausgabe in deutscher Sprache, 17. Januar 2020, Nr. 3)

 

»Der Lobpreis der Stabilität« stand im Mittelpunkt der Liturgie vom 5. Dezember mit dem Evangelium nach Matthäus (7,21.24-27), in dem Jesus den klugen und den törichten Mann vergleicht:
Der eine macht den Herrn zum Fundament seines Lebens und erbaut so sein Haus auf dem Felsen. Der andere hört nicht auf das Wort Gottes, er lebt vom Schein und baut so sein Haus auf ein schwaches Fundament, wie es der Sand sein kann.

Der Papst entwickelte seine Predigt, indem er die Gläubigen direkt ansprach und sie aufforderte, über »Klugheit und Schwäche« nachzudenken, das heißt darüber, was das Fundament unserer Hoffnungen, unserer Sicherheit und unseres Lebens ist, und um die Gnade zu bitten, zu erkennen, wo Fels und wo Sand ist: »Der Fels. So ist der Herr«, unterstrich der Papst: »Wer sich auf den Herrn verlässt, wird immer sicher sein, denn sein Fundament ist der Felsen. Das ist es, was Jesus im Evangelium sagt. Es spricht von einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen gebaut hat, das heißt auf das Vertrauen in den Herrn, auf die ernsten Dinge«, ein Vertrauen, fügte Franziskus hinzu, das »ein edles Material ist« und das Leben sicher und stark mache.

Klug sei also derjenige, der auf Felsen baue, der Törichte hingegen sei derjenige, der den »Sand« wähle, »der sich bewegt« und der von Wind und Regen weggefegt werde. Dies gelte auch im täglichen Leben, für die Gebäude, die ohne gutes Fundament gebaut würden und dann einstürzten, und für unsere persönliche Existenz: »Und auch unser Leben kann so sein«, sagte Franziskus. »Wenn meine Fundamente nicht stark sind. Der Sturm kommt – und wir alle haben Stürme in unserem Leben, wir alle, vom Papst bis zum Letzten, wir alle – und wir vermögen nicht standzuhalten. Viele sagen: ›Nein, ich werde mein Leben ändern‹, und sie denken, dass die Veränderung des Lebens darin besteht, sich zu ›schminken‹. Das Leben ändern heißt, die Grundlagen des Lebens zu verändern, also den Fels setzen, der Jesus ist. ›Ich möchte dieses Gebäude, dieses Haus restaurieren, weil es sehr hässlich, sehr hässlich ist, und ich möchte es ein wenig verschönern und auch das Fundament sichern.‹ Aber wenn ich nur frische Schminke auflege, dann geht es nicht weiter; es wird einstürzen. Wenn die Aufmerksamkeit nur dem Schein gilt, kommt das christliche Leben zu Fall.«

Einzig Jesus sei das sichere Fundament, der Schein bringe nichts, und das zeige sich auch im Beichtstuhl. Nur diejenigen, die sich dort als Sünder erkennten, in ihrer Schwäche, voller Sehnsucht nach dem Heil, nur diese zeigten, dass sie ein auf Felsen gegründetes Leben hätten, insofern sie an Jesus als das Heil glaubten und auf ihn zählten. Also umkehren zu dem, was nicht zusammenbreche und nicht vergehe. So sei es im 16. Jahrhundert dem heiligen Franz von Borja ergangen, als dieser ehemalige Hofritter vor dem entstellten Leichnam der Kaiserin Isabella gestanden habe und sich der Hinfälligkeit und Eitelkeit irdischer Dinge bewusst geworden sei, daher den Herrn gewählt habe und ein Heiliger geworden sei.

»Wir dürfen«, so die Mahnung des Papstes, »unser Leben nicht auf Vergänglichem aufbauen, auf dem Schein, auf dem So tun, als ob alles in Ordnung wäre. Lasst uns zum Felsen gehen, wo unser Heil ist. Und da werden wir alle glücklich sein. Alle.« Das Gebet, zu dem der Papst daher an diesem Adventstag jeden einlud, lautete, darüber nachzudenken, welche Grundlage wir unserem Leben gäben: den festen Felsen oder den eitlen Sand, und den Herrn um die Gnade der Unterscheidung zu bitten.

 



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