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  JOHANNES PAUL II. 

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 12. Februar 2003

 

Lesung: Psalm 118, 1–2. 19–20. 22–23 
1 Eine Dankliturgie Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig. 
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig. 
19 Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. 
20 Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein. 
22 Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. 
23 Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder. 

Liebe Brüder und Schwestern!

1. An allen großen und fröhlichen Festtagen des frühen Judentums, besonders am Paschafest, wurde die Sequenz der Psalmen 113 –118 gesungen. Diese Reihe von Gesängen des Lobes und Dankes an Gott wurde das »ägyptische Hallel« genannt, weil in einem von ihnen, in Psalm 113 A, der Auszug Israels aus dem Land der Unterdrückung, dem Ägypten Pharaos, und das wunderbare Geschenk des göttlichen Bundes eindrucksvoll und poetisch besungen wurde. Der letzte Psalm also, der dieses »ägyptische Hallel« abschließt, ist genau Psalm 118, der soeben erklungen ist und von uns schon früher einmal kommentiert wurde. 

2. Dieses Lied zeigt ganz klar eine liturgische Verwendung im Jerusalemer Tempel. Denn in seiner Struktur scheint sich eine Prozession den Weg zu bahnen, die in den »Zelten der Gerechten« (V. 15) beginnt, das heißt in den Häusern der Gläubigen. Diese rühmen den Schutz durch Gottes Hand, die den zu behüten vermag, der gerecht und zuversichtlich ist, auch wenn ihn böse Feinde bedrängen. Der Psalmist verwendet ein anschauliches Bild: »Sie umschwirren mich wie Bienen, wie ein Strohfeuer verlöschen sie; ich wehre sie ab im Namen des Herrn« (V. 12). 

Angesichts dieser überstandenen Gefahr bricht das Volk Gottes in »Frohlocken und Jubel« aus (V. 15) zu Ehren der »Rechten des Herrn, die erhoben war und mit Macht gewirkt hat« (vgl. V. 16). Hier ist also das Wissen, daß man nie allein und verlassen und dem Sturm ausgeliefert ist, den die Feinde entfesselt haben. Das letzte Wort hat wirklich Gott, der zwar eine harte Prüfung des Gläubigen zuläßt, ihn aber nicht dem Tod übergibt (vgl. V. 18). 

3. An dieser Stelle scheint die Prozession das Ziel zu erreichen, das der Psalmist durch das Bild der »Tore zur Gerechtigkeit« (V. 19), das heißt der heiligen Pforte des Tempels von Zion, in Erinnerung ruft. Die Prozession begleitet den Helden, dem Gott den Sieg geschenkt hat. Er bittet darum, ihm die Tore zu öffnen, damit er »eintrete, um dem Herrn zu danken« (V. 19). »Nur Gerechte treten hier ein« mit ihm (V. 20). Er beschreibt die harte Prüfung, die er überwunden hat, und die darauf folgende Verherrlichung und vergleicht sich mit einem »Stein, den die Bauleute verwarfen« und der dann »zum Eckstein geworden« ist (V. 22). 

Christus hat gerade dieses Bild und diesen Vers am Ende des Gleichnisses von den bösen Winzern verwandt, um sein Leiden und seine Verherrlichung anzukündigen (vgl. Mt 21, 42). 

4. Indem Christus den Psalm auf sich selbst bezieht, öffnet er den Weg zum christlichen Verständnis dieses Liedes der Zuversicht und des Dankes an den Herrn für sein hesed, das heißt für seine liebevolle Treue, die im ganzen Psalm widerhallt (vgl. Ps 118, 1.2.3.4.29). 

Die Kirchenväter verwandten zwei Symbole. Vor allem das der »Tore zur Gerechtigkeit«, das Klemens von Rom in seinem Brief an die Korinther wie folgt kommentiert hat: »Obgleich nun viele Tore offen stehen, so ist das Tor der Gerechtigkeit das Tor Christi; selig sind alle, die durch dieses eingehen und die geraden Weges wandeln ›in Heiligkeit und Gerechtigkeit‹ (Lk 1, 75), indem sie unbeirrt alles vollbringen« (48, 4: Bibliothek der Kirchenväter, Band 35, Kempten & München 1918, S. 57–58). 

5. Das andere Symbol, das zum vorhergehenden hinzukommt, ist das des Felsen. Lassen wir uns also bei unserer Meditation vom hl. Ambrosius in seinem Lukaskommentar führen. Während er das Messiasbekenntnis des Petrus in Cäsarea Philippi kommentiert, betont er: »Der Fels ist Christus … auch seinem Jünger enthielt er diesen Ehrennamen nicht vor, auf daß auch er ein ›Petrus‹ (Fels) wäre, indem er vom Fels (Christus) die Festigkeit der Standhaftigkeit und die Kraft des Glaubens haben sollte.« 

Ambrosius beginnt dann seine Ermahnung: »Setze denn alle Kraft ein, daß auch du ein Fels seiest! Nicht außer dir, sondern in dir suche den Fels! Dein Fels ist die Tatkraft, dein Fels ist der Geist. Über diesem Felsen läßt sich dein Haus aufbauen, daß es durch keine Stürme der Geister der Bosheit erschüttert werden kann. Bist du Fels, wirst du der Kirche angehören; denn auf Felsengrund ruht die Kirche. Gehörst du der Kirche an, werden die Pforten der Unterwelt dich nicht überwältigen« (VI, 97–99: Bibliothek der Kirchenväter, Kempten & München, Bd. 21, S. 320). 


Der Rechtschaffene hat es oft schwer in der Welt. Er erfährt Gegnerschaft und Mißachtung wie der „Stein, den die Bauleute verwarfen" (Ps 118, 22). Und doch ist der gute und gottesfürchtige Mensch der Eckstein einer neuen Ordnung. Das Wissen um die Huld des Herrn, die ihn auch durch Zeiten der Prüfung trägt und erhält, erfüllt den Gläubigen mit Hoffnung und Zuversicht. Daher jubelt der alttestamentliche Beter in Psalm 118: „Danket dem Herrn, denn er ist gütig" (V. 1). Wir Christen, die wir im Antlitz Jesu die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erkennen, stimmen gerne in diesen Lobpreis ein. Im Gebet bringen wir beständig unseren Dank vor Gott. 

***

Herzlich grüße ich die Pilger und Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dankt dem Herrn jederzeit und singt sein Lob in allen Lebenslagen. Laßt euch als lebendige Steine zum Bau der einen Kirche Christi gebrauchen! Gott, der ganz Heilige, lenke euer Denken und Tun!

    



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