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PAPST FRANZISKUS

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 21. Dezember 2016

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Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Wir haben vor kurzem eine Katechesereihe zum Thema der Hoffnung begonnen, das für die Adventszeit äußerst passend ist. Bislang hat uns der Prophet Jesaja geleitet. Heute, wenige Tage vor Weihnachten, möchte ich insbesondere über den Augenblick nachdenken, in dem sozusagen die Hoffnung in die Welt getreten ist, durch die Menschwerdung des Gottessohnes. Jesaja selbst hatte die Geburt des Messias in einigen Abschnitten angekündigt: »Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben« (7,14); und auch: »Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht« (11,1). In diesen Abschnitten scheint der Sinn des Weihnachtsfestes durch: Gott erfüllt die Verheißung, indem er Mensch wird; er verlässt sein Volk nicht, er kommt zu uns und entledigt sich sogar seiner Göttlichkeit. Auf diese Weise zeigt Gott seine Treue und errichtet ein neues Reich, das der Menschheit eine neue Hoffnung schenkt. Und was ist diese Hoffnung? Das ewige Leben. Wenn man von Hoffnung spricht, meint man damit oft das, was nicht in der Macht des Menschen steht und was nicht sichtbar ist. Tatsächlich geht das, was wir hoffen, oft über unsere Kräfte und unseren Blick hinaus. Aber die Geburt Christi, mit der die Erlösung beginnt, stellt uns eine andere Hoffnung vor Augen, eine verlässliche, sichtbare und verständliche Hoffnung, weil sie in Gott gründet. Er tritt in die Welt und schenkt uns die Kraft, mit ihm auf dem Weg zu sein: Gott ist mit uns auf dem Weg in Jesus. Und mit ihm auf dem Weg zur Fülle des Lebens zu sein, gibt uns die Kraft, auf neue, wenngleich mühsame Weise in der Gegenwart zu stehen.

Hoffen bedeutet also für den Christen die Gewiss heit, mit Christus auf dem Weg zu sein zum Vater, der uns erwartet. Die Hoffnung steht nie still, die Hoffnung ist immer auf dem Weg und lässt uns auf dem Weg sein. Diese Hoffnung, die das Kind von Betlehem uns schenkt, gibt der Gegenwart ein Ziel, eine gute Bestimmung; der Menschheit das Heil; die Glückseligkeit dem, der sich dem barmherzigen Gott anvertraut. Der heilige Paulus fasst alles zusammen mit dem Wort: »Wir sind gerettet, doch in der Hoffnung« (Röm 8,24). Das heißt: Wenn wir in dieser Welt mit Hoffnung unterwegs sind, sind wir gerettet. Und hier können wir, hier kann jeder von uns sich die Frage stellen: Bin ich mit Hoffnung auf dem Weg, oder steht mein inneres Leben still, ist es verschlossen? Ist mein Herz eine geschlossene Schublade oder eine Schublade, die offen ist für die Hoffnung und die mich nicht allein, sondern mit Jesus auf dem Weg sein lässt? In den Häusern der Christen wird in der Adventszeit die Krippe aufgebaut, nach der Tradition, die auf den heiligen Franz von Assisi zurückgeht. In ihrer Einfachheit vermittelt die Krippe Hoffnung: Jede der Gestalten ist von einer Atmosphäre der Hoffnung umgeben.

Richten wir das Augenmerk zunächst auf den Ort, an dem Jesus geboren wird: Betlehem, eine kleine Ortschaft in Judäa, wo tausend Jahre zuvor David geboren wurde, der Hirtenjunge, der von Gott als König Israels auserwählt wurde. Betlehem war keine Hauptstadt, und daher wird es von der göttlichen Vorsehung bevorzugt, die gern durch die Kleinen und Demütigen wirkt. An jenem Ort wird der so sehr erwartete »Sohn Davids «, Jesus, geboren, in dem Gottes Hoffnung und die Hoffnung des Menschen einander begegnen. Schauen wir dann auf Maria, die Mutter der Hoffnung. Mit ihrem »Ja« hat sie Gott das Tor unserer Welt geöffnet: Ihr Mädchenherz war voll Hoffnung, ganz vom Glauben beseelt; und so hat Gott sie auserwählt, und sie hat seinem Wort geglaubt.

Sie, die neun Monate lang die Lade des neuen und ewigen Bundes war, betrachtet in der Grotte das Kind und sieht in ihm die Liebe Gottes, der kommt, um sein Volk und die gesamte Menschheit zu retten. Neben Maria ist Josef, Nachfahre Isais und Davids; auch er hat den Worten des Engels geglaubt, und indem er Jesus in der Krippe betrachtet, denkt er darüber nach, dass jenes Kind vom Heiligen Geist kommt und dass Gott selbst ihm geboten hat, ihn so zu nennen: »Jesus«. In diesem Namen liegt die Hoffnung für jeden Menschen, denn durch jenen Sohn einer Frau wird Gott die Menschheit vom Tod und von der Sünde retten. Daher ist es wichtig, die Krippe zu betrachten!

Und in der Krippe sind auch die Hirten. Sie stehen für die Demütigen und Armen, die den Messias erwarteten, die »Rettung Israels« (Lk 2,25) und die »Erlösung Jerusalems« (Lk 2,38). In jenem Kind sehen sie die Verwirklichung der Verheißungen und hoffen, dass Gottes Heil endlich für jeden von ihnen kommt. Wer auf die eigenen, vor allem die materiellen, Sicherheiten vertraut, erwartet das Heil nicht von Gott. Bringen wir uns das zu Bewusstsein: Unsere Sicherheiten werden uns nicht retten; die einzige Sicherheit, die uns rettet, ist die Hoffnung auf Gott. Sie rettet uns, weil sie stark ist und uns mit Freude durch das Leben gehen lässt, mit dem Willen, Gutes zu tun, mit dem Willen, auf ewig glücklich zu werden. Die Kleinen, die Hirten dagegen vertrauen auf Gott, hoffen auf ihn und freuen sich, wenn sie in jenem Kind das von den Engeln verkündigte Zeichen erkennen (vgl. Lk 2,12). Und der Chor der Engel verkündigt aus der Höhe den großen Plan, den jenes Kind verwirklicht: »Verherrlicht ist Gott in der Höhe, / und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade« (Lk 2,14). Die christliche Hoffnung kommt im Lob und im Dank gegenüber Gott zum Ausdruck, der sein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens errichtet hat.

Liebe Brüder und Schwestern, während wir in diesen Tagen die Krippe betrachten, bereiten  wir uns auf die Geburt des Herrn vor. Es wird wirklich ein Fest sein, wenn wir Jesus annehmen, das Samenkorn der Hoffnung, das Gott in die Ackerfurchen unserer persönlichen und gemeinschaftlichen Geschichte legt. Jedes »Ja« zu Jesus, der kommt, ist ein Keim der Hoffnung. Haben wir Vertrauen auf diesen Keim der Hoffnung, auf dieses »Ja«: »Ja, Jesus, du kannst mich retten, du kannst mich retten.« Allen ein frohes Weihnachtsfest der Hoffnung!

* * *

Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Pilger deutscher Sprache. In Jesus ist die Hoffnung in Person zu uns gekommen. Betrachten wir ihn in der Krippe und machen wir es wie Maria, Josef und die Hirten: erkennen wir in ihm unseren Heiland. Ich wünsche euch ein frohes Weihnachtsfest voller Hoffnung.

 



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